1868
Erstmals wurde in Grasmere im englischen Lake District ein organisierter Berglauf durchgeführt, obgleich die Wurzeln des Berglaufes wesentlich früher gelegen haben dürften, denn schließlich hängt es mit der Mentalität des Menschen zusammen, der Schnellste, der Stärkste und Erfolgreichste zu sein. Zumeist aus nebensächlichen Gründen fanden Wettläufe zu markanten landschaftlichen Punkten statt, wie es zweifellos nun einmal Berggipfel sind. Wie das britsche Fellrunning fand zunächst auch in anderen Ländern der Berglauf außerhalb der Leichtathletik-Verbände statt, die zumeist mit Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit gegründet wurden. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Teilnehmer rannten um lukrative Geldprämien und wurden somit als Professionals klassiert. Um den Amateurstatus zu wahren, veranstalteten viele Langstreckler eigene Rennen unter der Obhut des Fachverbandes, so in England wie auch in Italien.
1984
Bei einem internationalen Kongress im italienischen Sonzogno wurde die Idee des Berglauf-Weltcup geboren, Jahre bevor große Turniere wie www.partypoker.com oder andere Weltcup-Veranstaltungen der FIFA organisiert wurden. Unter der Federführung des Internationalen Berglauf-Komitees (ICMR) fand die Premiere für die zunächst europäischen Bergläufer bereits ein Jahr später in St. Virgil/Enneberg in Südtirol statt. Damit wurde die Vorreiterrolle der Italiener in dieser Disziplin bekräftigt, denn schon 1972 trugen sie unter der Federführung des Berglauf-Verbandes FIDAL erstmals Meisterschaften aus. Bei den Frauen gewann die junge Olivia Grüner, bei den Männern setzte sich Alonso Vallicella vor dem Österreicher Helmut Stuhlpfarrer durch.
1987
Mit Lenzerheide im Kanton Graubünden und Keswick im District Cumberland betrat die junggebliebene leichtathletische Disziplin in den Folgejahren erneut historischen Boden, da sowohl in England als auch in der Schweiz der Berglauf eine lange Tradition hat, denn unter Schafhirten und Bauernburschen waren diese Wettkämpfe ein geselliges Ereignis.
1989
Der fünfte Weltcup im französischen Dié und Châttillon-en-Diois verdeutlichte die Unterschiedlichkeit der Streckenprofile und Anforderungen. Aufgrund der Diskussionen, welche Strecken noch als Cross-Country-Läufe und welche als Bergläufe zu führen sind, wurde ein Regelwerk verabschiedet, das entsprechend den geographischen Gegebenheiten der Mitgliedsländer Anstiege in der Gesamtdifferenz bis zu 1500 m vorsah. Eine bei den Männern als zweiten Wettbewerb betitelte Kurzstrecke führte bergauf und bergab. Nachdem die mit dem Schweizer Langstreckler Daniel Oppliger verheiratete Kolumbianerin Fabiola Rueda schon 1987 und 1988 die Frauendistanz gegen die besten Europäerinnen beherrschte, holte sich in Dié mit deren Landsmann Jairo Correa erstmals ein Nicht-Europäer den Männertitel.
1990
Aufgrund der finanziellen Unterstützung des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) starteten erstmals in Zermatt Läufer aus afrikanischen Ländern (Kenia, Kamerun) und aus Neuseeland.
1993
Aufgrund der eigenwillig ausgelegten Austragungsmodalitäten in Susa und Bardoneccia veränderte ein ICMR- Kongress das Regelwerk: Im Jahreswechsel führt künftig die neue Wortschöpfung World-Trophy nur bergauf oder als Rundkurs bergauf/bergab.
1995
Im südfranzösischen Valleraugue werden bei der European-Trophy erstmals die besten Europäer in einer eigenständigen Veranstaltung zusammengeführt, sie soll künftig alternierend zur World-Trophy entweder nur bergauf oder bergauf/bergab führen. Bergauf holten Eroica Spiess-Staudenmann und Helmut Schmuck die Titel, während auf dem Cross-Parcours in Edinburgh überraschend Gudrun Pflüger eigendlich Skilangläuferin und Lucio Fregona siegten.
1996
Mit 32 Nationen gab es bei der (bergaufführenden) World-Trophy in Telfes im Stubaital nicht nur eine neue Rekordbeteiligung sondern auch einen Einsturz der bisherigen Berglauf-Hierarchie. „Neue“ Nationen wie Slowakei, Polen, Belgien und Neuseeland drängten auf die Medaillenränge.
1997
Mit dem tschechischen Malé Svatonovice nahe Upice fand erstmals eine World-Trophy in einem früheren „Ostblock“-Land statt, erstmals mit einer Wertung für Juniorinnen. In einer turbulenten ICMR- Generalversammlung drohte wegen massiver Kritik die Spaltung der Berglauffamilie. Für die bergaufliebenden Alpenländer gab es neben der European-Trophy in Ebensee im Salzkammergut mit dem in Privatinitiative formierten Alpen-Grand-Prix eine attraktive Veranstaltungsserie. Nach Lenzerheide und Telfes durften die gebürtige Polin Janina Saxer-Juszko und Helmut Schmuck 3000 Mark Gesamtprämie einstecken.
1998
Erstmals fand die World-Trophy außerhalb Europas statt: Auf La Réunion holte sich der Weltklasse- Marathonmann Jonathan Wyatt in überlegener Manier den Sieg vor Antonio Molinari, der drei Monate zuvor in Sestriere Sieger der bergauf-bergabführenden European Trophy geworden war. Mit dem Dritten Guido Dold holten die Deutschen erstmals nach fünf Jahren Abstinenz wieder eine Medaille. Neue Gesichter gab es an der Frauenspitze mit Dita Hebelkova und Matilda Ravizza.
Beim attraktiven Berglauf-Grand-Prix setzten sich hingegen mit Molinari und Juszko-Saxer die Vorjahresgewinner wiederum durch. Aus dem ICMR wurde auf La Réunion die World Mountain Running Assiciation WMRA mit einer stärker handungsorientierten Struktur und einem neuen Generalsekretär, dem Turiner Bruno Gozzelino.
1999
Die Reisefreudigkeit der WMRA-Funktionäre führte nahezu von den Medien totgeschwiegen die Berglaufnationen im Jahr nach La Réunion zur World Trophy nach Fernost, an den Fuße des Mt. Kinabalu im malaysischen Distrikt Sabah zum Cross mit Berglaufcharakter. Beim nur die Elite ansprechenden Berglauf- Grand-Prix der Alpenländer kündigte sich mit dem Neuseeländer Jonathan Wyatt eine Wachablösung an. Bad Kleinkirchheim legte mit der European-Trophy eine Vorzeigeveranstaltung hin. Bemerkenswert: Die Internationalisierung der Berglaufszene setzte sich weiter fort, denn mit Polen (Miedzygorze) und Slowenien (Cerklje) rücken zwei neue Staaten in den Kreis der Ausrichter von Titelkämpfen auf.
2000
Vor und hinter den Kulissen der Berglaufszene kracht es gewaltig: Die WMRA zerstritt sich über die Austragungsmodalitäten mit den Grand-Prix-Veranstaltern und beschloss einen eigenen Grand-Prix, der als Konkurrenz um die Gunst der ohnehin dünnen Athletenspitze auftreten soll. Für ein organisatorisches Highlight sorgte der SC Bergen mit einer gelungenen World-Trophy-Veranstaltung. Eindrucksvoll setzte Jonathan Wyatt seine Überlegenheit am Hochfelln fort, während bei den Frauen die Schottin Angela Mudge die deutsche Überfliegerin Birgit Sonntag auf Rang zwei abwehren konnte. Mit Eritrea präsentierte sich eine neue Berglauf- Nation im Chiemgau, durch den Junior Nebai Habtegiorgis gab es auf Anhieb Gold.
2001
Großer Erfolg der Bergläufer auf sportpolitischem Terrain: Der Europäische Leichtathletik-Verband (EAA) beschloss beim Kalenderkongress in Moskau die Einführung von Europameisterschaften, die Premiere soll bereits 2002 auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira folgen. Vor den Augen des EAA-Präsidenten gewannen in Cerklje die Russin Svetlana Demidenko und Seriensieger Antonio Molinari die letzte European Trophy, während sich beim bergauf-bergabführenden Weltchampionat im italienischen Arta Terme in einer zweistündigen RAI-Fernsehübertragung Italien einmal mehr als beste Berglaufnation präsentierte, dicht gefolgt von Polen, das mit fünf Medaillen allerdings an der Vormachtstellung ordentlich rüttelte.
2002
Schulterschluss am Patscherkofel: Angesichts des unattraktiven WMRA-Grand-Prix hat sich der Weltverband mit den traditionellen Grand-Prix-Veranstaltern schon für 2003 auf einen gemeinsamen Grand-Prix-Wettbewerb geeinigt, der eindeutig die Handschrift der Traditionalisten trägt. Beim Weltchampionat in Innsbruck wurde eine große Chance verpasst, Berglaufen einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, denn innerhalb einer Woche war die Olympiastadt sowohl für Aktive als auch für Masters gleich zweimal der Nabel der Welt. In der Abgeschiedenheit holte sich am Patscherkofel Svetlana Demidenko Gold, während sich unter widrigen Bedingungen an der Seegrube Jonathan Wyatt einmal mehr durchsetzen konnte. Als Europameister durften aus Madeira Svetlana Demidenko und überraschend der Schweizer Alexis Gex-Fabry als Bergauf-bergab- Europameister grüßen.
2003
Der internationale Berglauf hat mit der EM in Trento und der World-Trophy in Girdwood/ Alaska weiter an Gewicht gewonnen. Der TV Unterharmersbach legte mit über 850 Startern bei der World-Masters am Brandenkopf die Messlatte für künftige Ausrichter überaus hoch. Mit Jonathan Wyatt gewann auch der weltbeste Berg(auf)läufer das Grand-Prix-Finale in Bergen, während bei den Frauen die aus dem Skilanglauflager stammende Antonelle Confortolai m Finallauf die Seriensiegerin Izabela Zatorska noch abfangen konnte. Der Weltverband vergab die World-Trophy 2005 nach Wellington, der Heimat der Berglaufasse Jonathan Wyatt und Melissa Moon, die EAA die Europameisterschaften an den Shootingstar im Berglauf-Circuit, den Großglocknerberglauf.
2004
Trotz individueller Bemühungen floppten die Europameisterschaften im polnischen Korbielóv, während das Olympiadorf Sauze d’Oulx die italienische Tradition mit beeindruckender Organisationen mit der Doppelveranstaltung Word-Trophy und World-Masters fortsetzen konnte. Nur eine Woche nach seinem olympischen Marathonlauf zeigte sich Jonathan Wyatt in gewohnter Stärke, während sich bei den Frauen Rosita Rota-Gelpi vor der Europameisterin (und Olympiastarterin) Anna Pichrtova behaupten konnte. Beim erstmals durchgeführten WMRA-Long-Distance-Championat im Rahmen des Klassikers Sierre-Zinal gewannen Ricardo Mejia und Angéline Joly die ersten Titel. Mit Pauken und Trompeten hat sich Georg „Bibi“ Anfang aus dem Grand-Prix-Circuit verabschiedet und versucht mit dem „Großen Preis von Deutschland“ zum Hochfelln attraktiv zu bleiben.
2005
Rotweissrot leuchtet bei der EM in Heiligenblut der Berglaufhimmel für die Österreicher: Beide Einzel- Goldmedaillien gingen an Florian Heinzle und Andrea Mayr. Eine weitere haben sich die Organisatoren um Heide Pichler verdient, die mit einem ebenso rekordverdächtigen 350.000 Euro-Etat alles Bisherige mit spielerischer Eleganz in den Schatten zu stellen wussten. Ein weiteres Heimspiel gab es zum Saisonfinale im fernen Wellington: Jonathan Wyatt und Kate McIllroy gewannen sehr zur Freude der 20.000 Zuschauer die World Trophy auf einem äußerst selektiven Bergauf-bergab-Parcours. Beim WMRA-Kongress wurde Danny Hughes für weitere vier Jahre als Berglauf-Chef wiedergewählt. Mit Helmut Schiessl hat auch Deutschland nun einen Weltmeister! Der Allgäuer gewann im Pyrenäendorf Cauterets den Langstreckentitel. Einen starken Imageverlust hat derzeit der Berglauf-Grand-Prix trotz einem kleinen und feinen Finale im Schwarzwaldstädtchen Zell-Unterharmersbach zu vermelden.
2006
Fernab jeglichen Interesses fand in Male Svatanovice die EM bergauf-bergab mit den allseits bekannten Gewinnern Anna Pichrtova und Marco Gaiardo statt. Keineswegs mehr Publikum gab es hoch über der türkischen Millionenstadt Bursa bei der World Trophy, dafür aber Überraschungen durch Andrea Mayr und Rolando Ortiz (über den durch einen Hundebiss gehandikapten Titelverteidiger Jonathan Wyatt). Fast ohne Stellenwert, dafür mit einem hübschen Salär, endete der Grand-Prix am Affenfelsen in Gibraltar mit den die Saison dominierenden Anna Pichrtova und Jonathan Wyatt. Ebenso greift das WMRA mit der Austragung der Long Distance World Challenge beim sicherlich renommierten Pikes Peak in nicht akzeptabler Höhenlage daneben.
2007
Nichts dazu gelernt haben die WMRA-Funktionäre mit einer wenig attraktiven Grand-Prix-Serie und einem Minusrekord an gewerteten Topathleten. Während die EM bergauf-bergab im Pyrenäenstädtchen Cauterets ebenso zu einer Vorzeigeveranstaltung wie die Long Distance World Challenge im Rahmen des Jungfrau- Marathon in Interlaken geriet, schlitterte die Word Trophy im wallisischen Ovronnaz sportlich und organisatorisch am Rande einer Katastrophe vorbei. Mit Macht drängen afrikanische Läufer in die Medaillenränge bei internationalen Meisterschaften. Im Gespräch sind sogar bereits Titelkämpfe in Eritrea. Doch bevor es so weit ist, müssen nicht nur dort umfassende Hausaufgaben gemacht werden. Mit Ingrid Kristiansen ist die legendäre frühere Marathon-Weltrekordler in das WMRA-Council eingezogen, nicht zuletzt auch Ausdruck der Leistungsstärke der norwegischen Frauen um Anita Evertsen-Hakenstad und Kirsten Melkevik-Otterbu.
2008
Mit einer eindrucksvollen Siegesserie hat Andrea Mayr ihre Spitzenposition ausgebaut. Selten dominierte eine Athletin derart überlegen wie es die Wienerin mit dem WM-Titel in Crans-Montana und Erfolgen am Schneeberg, am Hochfelln, beim marna Gora-Race und auf der Obudu Ranch in Nigeria tat. Auf hohem Niveau ging die Berglauf-EM in Zell-Unterharmersbach und die letzte WMRA-World-Trophy in Crans-Montana über die Runden, ehe es 2009 endlich auch im Berglauf offizielle Weltmeisterschaften geben wird. In die Reihe attraktiver Meisterschaften passen auch gewiss die Masters-Titelkämpfe in Lenzerheide und Dolni Morava (Tschechien). Hingegen zeichnet sich beim WMRA-Grand-Prix noch keine attraktive Lösung ab. Veranstaltungen in zumeist wenig attraktiven Austragungsorten mit differenziertem Wertungsmodus mit Level I und Level II dürften auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.
2009
Eine neue Qualität gab es bei den ersten offiziellen Berglauf-Weltmeisterschaften im italienischen Campodolcino. Bei den Männern liefen auf dem bergauf-bergab führenden Parcours hinter dem Sieger Geoffrey Kusuro aus Uganda gleich fünf weitere afrikanische Athleten unter die acht weltbesten Bergläufer ein. Bei den Frauen gewann mit einem überraschend starken zweiten Streckenabschnitt Elisa Desco den Titel vor Violetta Belotti. Wenig später wurde aber bekannt, dass die Dopingprobe bei der neuen Weltmeisterin positiv sei. Damit hat nun auch der Berglauf seinen ersten namhaften Dopingfall. Eine weitaus stärkere Beachtung als bislang erfuhr auch die WMRA-Long Distance Challenge in Söll in Tirol. Überraschend bezwang dabei Orientierungsläufer Marc Lauenstein sowohl Jonathan Wyatt als auch die siegessicheren Kenianer, bei den Frauen gewann Anna Pichrtova, die Bergauf-bergab-Weltmeisterin 2007. Der WMRA-Grand-Prix ist nach wie vor eine wenig Veranstaltungsserie an zumeist wenig attraktiven Austragungsorten und dürfte ohne Frischzellenkur kurz vor dem Aus stehen.
2010
Mit „Berglauf goes East“ lässt sich das internationale Geschehen umschreiben, denn die Weltmeisterschaften fanden in Slowenien (Kamnik), die Europameisterschaften in Bulgarien (Sapareva Banya) und die Masters- Weltmeisterschaften in Polen (Korbielov) statt. Die Langdistanz-WM hingegen wurde am legendären Pikes Peak im US-Staat Colorado ausgetragen. Mit Andrea Mayr wurde die derzeit dominierende Bergläuferin auch Weltmeisterin, bei den Männern siegten der Eriträer Samson K. Gashazghi vor fünf (!) weiteren Afrikanern, die Europäer mit dem Siebtplatzierten Ahmet Arslan hatten nun auch rein bergauf das Nachsehen. Die Langdistanzbesten stellten aufgrund der ungewöhnlichen Höhenlage mit Ziel auf 4300 m Höhe (!) komplett die US-Amerikaner.